Bruno Hartmann – Blog http://dev.bruno-hartmann.com de Copyright Bruno Hartmann Thu, 21 Nov 2019 01:07:49 +0100 Thu, 21 Nov 2019 01:07:49 +0100 news-61 Fri, 04 Oct 2019 17:24:28 +0200 Liebe Greta: Drücken um die Welt zurückzusetzen de/blog/detail/liebe-greta-druecken-um-die-welt-zurueckzusetzen/ Wenn wir ein Schulkind in unserem Haus hätten, nennen wir es Tom, würde er vielleicht heute einen solchen Brief an Greta Thunberg schreiben. Wenn wir ein Schulkind in unserem Haus hätten, nennen wir ihn Tom, würde er vielleicht heute einen solchen Brief an Greta Thunberg schreiben:

 

Liebe Greta,

Wie geht es dir?

Du musst heutzutage sehr beschäftigt sein, da ich dich oft auf YouTube und im Fernsehen sehe. Um ehrlich zu sein, beneide ich dich ein wenig. Du scheinst die Welt zu bereisen und so viele wichtige Menschen zu treffen. Vor kurzem hast du Präsident Trump böse angekuckt. Ich sah das Bild. Es ist so großartig, dass du die Welt retten willst. Es gibt jedoch so viele Dinge, die ich nicht verstehe. Ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich meine Fragen mit dir teile. Du scheinst ziemlich schlau zu sein, sicherlich viel schlauer als ich. Mein Papa, glaube ich, ist auch ziemlich klug. Aber vieles, was er sagt, passt nicht zu dem, was du sagst, was mich völlig verwirrt. Und er sagt auch, dass es ihm so leid tut um dich, da du von anderen benutzt und inszeniert wirst. Hoffentlich wirst du auf lange Sicht nicht darunter leiden, meint er. Das hoffe ich auch, wenn das wahr ist.

Es geht ums Geld

"Jeder kann etwas bewegen!", sagt mein Papa gerne. Ich schätze, das ist auch das, was du auf deine Weise tun willst. Die Welt vor der Zerstörung retten, denn wir alle verbrauchen zu viele Ressourcen. Mein Urgroßvater erzählte mir Geschichten darüber, wie sie als Kind in Armut lebten. Er musste alte Schuhe von seinen Geschwistern tragen, die ihm nicht passten. Ich fühle mich tatsächlich sehr glücklich, ein beheiztes Haus, neue Kleidung, genug zu essen zu haben. Und auch Eltern, die mich zum Musikunterricht oder Sport fahren. Viele Kinder auf unserem Planeten können diese Privilegien nicht genießen. Wenn wir nach Afrika oder Indien schauen: Viele der Kinder dort würden auch gerne einige unserer Privilegien genießen, wie Schulen oder neue Kleidung. Aber wie? Wenn diese Kinder sich Schulen, Transport und Heizung wünschen (oder höchstwahrscheinlich lieber eine Klimaanlage, da es in ihren Ländern nicht so kalt ist wie bei uns), wie soll das geschehen? Wer bezahlt die solare Energieversorgung in diesen Ländern? Die Menschen dort sind so arm. Also, ja, es scheint wieder um Geld zu gehen. Sind die Menschen in Schweden bereit, Geld für Unterstützung nach Afrika zu überweisen? Ich habe das Gefühl, dass die Menschen in meinem Land nicht so begeistert von dieser Idee sind. Wie können wir dieses Problem deiner Meinung nach lösen?

Wohin mit den alten Batterien?

Ich bin auch verwirrt, was ich mit Autos machen soll. Ich mag unser Auto. In unserem Land gibt es große Diskussionen über die Verschmutzung in den Städten. Und dass alle Autos elektrisch werden müssen. Meine Freundin Lisa hat mir gestern gesagt, dass ihr Papa seinen Job verlieren wird. Einige Städte haben sogar die Einfahrt von Dieselfahrzeugen in die Innenstadt verboten. Verrückt. Da die Automobilhersteller über die Zukunft der Verbrennungsmotoren unsicher sind, haben einige Manager von der Firma, in der ihr Papa arbeitet, beschlossen, das Werk zu schließen. Sie stellen einige Teile für Motoren her. Weiß nicht, was genau. Und er wird seinen Job daher nächstes Jahr verlieren. Ist das wegen deiner Reden? Lisa macht sich jetzt Sorgen, ob sie noch das Geld für ihren Reitunterricht haben werden. Vielleicht müssen sie wegziehen, um neue Arbeit zu finden. Mir gefällt diese Idee nicht. Mein Vater sagt, dass die Diskussion über Elektroautos zu emotional ist. Die Menschen sollten mehr über Fakten nachdenken und nicht aus einem Problem in ein anderes eilen, nur weil es in Mode ist, auf ein bestimmtes Pferd einzuprügeln. Dieselautos sind auch nicht so schlecht, sagt er. Sie verbrauchen weniger Sprit. Er sagt auch, dass die Batterien in Autos langfristig zu großen Problemen führen werden, da es nicht einfach ist, sie zu recyceln. Das ist bei normalen Motoren ganz anders, sagt er. Ich weiß es nicht. Wie siehst Du dieses Problem? Du fährst in einem Elektroauto herum, habe ich gelesen. Du hast sicherlich ein besseres Bild als ich. Vielleicht gründest du eines Tages ein Batterie-Recyclingunternehmen in Schweden, dann können wir alle alten Batterien zu dir schicken?

Es wäre schön, wenn es einen "Reset" Knopf gäbe

"Es geht immer um den besten Kompromiss! Es gibt keinen Knopf, um die Welt zurückzusetzen.", ist eines der Lieblingszitate meines Papas. Vielleicht müssen wir mehr nach diesen Kompromissen suchen, und nicht nach Schuldzuweisungen. Um ehrlich zu sein: Mir hat es nicht wirklich gefallen, dass du neulich einer anderen Generation die Schuld dafür gegeben hast, dass sie uns unsere Zukunft gestohlen hätte. Ich denke, wir können selbst viel tun. Wie wir reisen, wie wir öffentliche Verkehrsmittel nutzen, wie oft wir neue Smart Phones kaufen, wie wir uns anziehen, und wie wir besser ausgebildet werden. Ich nehme ich nicht an den Demos "Fridays for Future" teil. Viele meiner Freunde tun das. Ich lerne lieber. Ich möchte Ingenieur werden, um besser zu verstehen, was vor sich geht. Und ich möchte die besten Kompromisse und bessere Technologien finden. Das ist mein Traum von der Zukunft. Vielleicht kann ich so auch ein wenig dazu beitragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, da wir ja nicht einfach einen Knopf drücken können und alles wird gut. Es wäre wirklich schön, wenn es so einen Knopf gäbe.

Ich kann keine leidenschaftlichen Reden vor führenden Politikern der Welt halten, wie du es machst, um etwas zu verändern. Und meine Eltern können sich nicht die Zeit nehmen, mich herumzufahren. Sie müssen arbeiten und Geld verdienen, sagen sie.

Vielleicht hast du ein paar Antworten für mich. Ich weiß, du bist sehr damit beschäftigt, die Welt zu bereisen. Ich wünsche dir alles Gute!

Grüße aus Bayern,

Tom

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news-58 Fri, 14 Jun 2019 21:41:39 +0200 Agil und dennoch erfolgreich? de/blog/detail/agil-und-dennoch-erfolgreich/ Wie vermeintlich „alte“ Führungs-Werkzeuge helfen werden, dass moderne Arbeitsmethoden nicht in der Selbsthemmung enden Wie vermeintlich „alte“ Führungs-Werkzeuge helfen werden, dass moderne Arbeitsmethoden nicht in der Selbsthemmung enden

 

„Bist Du schon agil, oder führst Du noch?“. Fragen Sie sich das auch ab und zu? In einer Zeit des digitalen Wandels führt kein Weg an agilen Arbeitsweisen vorbei, richtig? Ganz egal ob Team Boards, Kanban oder Stand-Up Meeting: so was muss man einfach machen und fördern, wenn man ein moderner Chef sein will. Alle Teams sind dann hoch motiviert, definieren sich selbst die Richtung, liefern bei jedem Sprint tolle Ergebnisse, und uns Chefs bleibt dann eigentlich nur noch die Aufgabe, unsere Mitarbeiter zu coachen und das Geld zu zählen, das all die neuen Geschäftsmodelle produzieren werden. Wunderbare neue Welt. Ich freue mich richtig drauf, habe ich doch dann viel mehr Zeit für meine Life-Work-Balance. Schöner Traum.

 

Aber zurück in die Realität. Agile Arbeitsweisen sind nichts Neues. Unternehmen starten irgendwie immer agil, weil sie in einem Umfeld mit großer Unsicherheit unterwegs sind und sich daher vortasten müssen. Inkrementelle Vorgehensweise ist unabdingbar, weil es den großen Plan noch nicht gibt. Ausprobieren und in Bewegung bleiben. Immer wieder den Fortschritt überprüfen. Kleine Teams sitzen oder stehen zusammen und reden.Überlegen. Diskutieren. Eentwickeln neue Ideen und entscheiden: wer macht was bis nächsten Montag. Nun versuchen prozess-verliebte Unternehmen mit diesen Methoden der Start-Ups ihre hausgemachten Silos und Strukturen aufzubrechen.

 

Unzählige „agile Teams“ in allen möglichen Bereichen arbeiten funktionsübergreifend und beschleunigen Tanker wie Schnellboote? Glauben Sie wirklich, dass sowas gelingen kann? Ich glaube, man kann mit solch neuen Methoden einiges bewegen. Vorausgesetzt man berücksichtig ein paar vermeintlich altmodische Punkte. Allen voran: eine kraftvolle Strategie. Meine Prognose: Unternehmen die sich aufmachen in die agile Welt und Teams losschicken, ohne eine kraftvolle Strategie zu haben, an der sich die Teams ausrichten können, orientieren können, werden scheitern. Aber vielleicht auf dem Weg agil im Chaos gemeinsam sehr viel Spaß erleben.

 

Chefs, die nicht verstehen und hinterfragen, wo agile Methoden tatsächlich helfen, werden sich inmitten frustrierter Menschen finden. Teams werden nach unzähligen Workshops vielleicht herausfinden, dass sie Ihr Team gar nicht aus der bestehenden Organisation lösen können, weil es möglicherweise zu viele gegenseitige Abhängigkeiten gibt, die berücksichtigt werden müssen. Oder vielleicht merken Sie irgendwann, dass sie auf die Zuarbeit anderer Teams angewiesen sind, die sich wiederum nicht um sie scheren. Wertströme müssen von Anfang bis Ende durchgedacht werden. Auch in agilen Organisationen: Teams in Abhängigkeiten müssen untereinander koordiniert werden. Letztendlich zählt die Agilität des Unternehmens in seiner Gesamtheit, und nicht die Agilität eines einzelnen Teams. Ein einzelner zappeliger Fisch hilft wenig. Die Formation des gesamten Schwarms macht den Unterschied.

 

Vielleicht werden Teams aber auch nur ganz banal herausfinden, dass ihnen das Teamboard nicht hilft, weil schlichtweg zu viel Arbeit für zu wenige Leute da ist. Bunte, agile Karten hin oder her. Falls Sie sich gerade aufmachen in die agile Transformation ihres Unternehmens, dann möchte ich Ihnen gerne eine Frage mitgeben, die vielleicht einen wertvollen Denkimpuls produzieren kann: wieviel Führungskräfte haben Sie im Unternehmen, die Strategie machen können? Und ich meine hier nicht eine Umsatz-Wachstumskurve. Sondern die Beschreibung einer Richtung und eines Spielfelds, auf dem sich die agilen Teams tummeln und kreativ arbeiten können. Was wollen wir machen, was nicht. Warum ist diese Frage relevant?

 

Wenn wir es nicht schaffen, die Spielfelder, zu beschreiben, dann werden unsere agilen Teams in alle möglichen, verschiedenen Richtungen denken und sich entwickeln. Das muss kein Problem sein bei einem singulären Team. Es kann vielleicht sogar gewünscht sein. Wenn sich aber mehrere parallele Teams bewegen, ohne gegenseitige Koordination und ohne den klar beschriebenen Rahmen dessen, was zulässig ist, und was nicht, endet die Transformation früher oder später im Chaos. Ähnlich wie ein Kindergeburtstag, bei dem kein Rahmen und keine Limits gesetzt werden. Das kann Spaß machen, muss es aber nicht.

 

In diesem Sinne möchte ich Sie ermuntern: definieren Sie den Sandkasten und seine Grenzen, definieren Sie die gemeinsame Strategie, und machen Sie gegenseitige Abhängigkeiten transparent, bevor Sie agile Teams losschicken, um die Welt zu verbessern! Ihre Mitarbeiter werden dafür dankbar sein.

 

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news-56 Thu, 04 Apr 2019 18:23:00 +0200 Starke Werte de/blog/detail/starke-werte/ Persönliche Impressionen aus Japan: Helfen für die anstehenden Transformationen starke Werte im Unternehmen? Hachiko schaffte es bis nach Hollywood: in der Verfilmung mit Richard Gere („Hachi: A Dog´s Tale“) wurde das Leben des treuen japanischen Akita-Hundes weltweit berühmt. Er hatte jeden Abend am Bahnhof auf sein Herrchen gewartet, auch lange nach dessen Tod. In Japan gilt dieser Hund als Symbol der Treue und ihm zu Ehren wurde ein Denkmal am Shibuya-Bahnhof in Tokyo errichtet. Dieser treue Hund ist nur ein Beispiel für viele Werte, die in Japan die Kultur prägen. Dazu gehören: dem anderen Raum zugestehen. Respektvoll ausreden lassen. Zuhören. Risiken vermeiden. Perfektion anstreben.

Bei meinem letzten Besuch in Japan war ich wieder einmal von den Menschen in diesem Land fasziniert. Ich hatte mein Mobiltelefon im Taxi liegen lassen. Den Verlust hatte ich erst nach Stunden bemerkt. Mein japanischer Begleiter rief darauf hin völlig unaufgeregt beim Taxi-Unternehmen an. Wir hatten noch Zeit für ein Bier, dann war der Taxi-Fahrer da. Mit meinem Handy. Für meinen Begleiter schien dies die normalste Sache der Welt zu sein. Ja, in der japanischen Kultur sind starke Werte verankert.

Werden uns klassische Wertesysteme zum Verhängnis?

In Deutschland überbieten sich Fach-Zeitungen derzeit in Ihren Überschriften mit Transformation-Buzzwords: Agilität, Achtsamkeit, Digitalisierung, und natürlich: VUCA! Leider kann ich kein Japanisch und weiß folglich ich nicht, was dort in den Zeitungen steht. Aber in meinen Diskussionen mit Top-Managern vor Ort vielen diese Transformations-Worthülsen nicht ein einziges Mal. Verpassen die Japaner die bereits laufende Veränderung? Wird der Wunsch nach Prozess-Perfektion japanischen Unternehmen auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft ein Bein stellen? Während man in China bereits Bettler mit dem Mobiltelefon bezahlen kann, musste ich in Japan Bargeld wechseln, um Bus-Tickets zu kaufen. Digitalisierung, wo bist du? Diejenigen von Ihnen, die mit japanischen Unternehmen bereits Geschäftsbeziehungen unterhalten, wissen vielleicht, wie mühsam es sein kann, dort Entscheidungen mit ein wenig Risiko beizubringen. Werden zukünftig Unternehmen ihre eigenen „klassischen“ Wertesysteme, bei denen Dinge wie Qualitätsbewussten und Risiko-Bewusstsein im Vordergrund stehen, zum Verhängnis? Kein Neuland ohne Risiko. Richtig?

Nachhaltige Wege oder Glücksrittertum?

Ein Gespräch mit einem Manager vor Ort zeigte mir eine andere Facette: unter den Eindrücken der Katastrophe von Fukoshima hatte sein Unternehmen ein neues Werk gebaut und sich dabei vorgenommen, den Stromverbrauch um 90% zu reduzieren. So ein Ziel muss man sich erst mal formulieren trauen! Das Ziel wurde mittels eines völlig neuartigen Energie-Konzepts und einigen architektonischen Finessen erreicht. Welche Veränderung! Es geht also doch. Unterschiedliche Mentalitäten gehen unterschiedlich mit dem Thema Veränderung um. Während die einen eher wie Glücksritter auf schnelle Umsetzung und Profite setzen, suchen andere nachhaltigere Wege. Ich möchte an dieser Stelle nicht werten, sondern eine neue Sichtweise zum Thema Innovationen öffnen: Wie entstehen Innovationen?

Probleme, Wissen und Kapital

Eine der größten Innovationen der Menschheitsgeschichte war sicherlich die Erfindung des Buchdrucks. Ausgangspunkt war ein Problem: Menschen hatten ein Bedürfnis nach Wissen, und die Mönche kamen mit dem Schreiben von Büchern dem Bedarf nicht mehr nach. Man fing an, mit hölzernen Matrizen zu drucken. Aber die verschlissen sehr schnell und wurden unbrauchbar. Hier kam der Mainzer Johannes Gutenberg auf den Plan. Er betrachtete das Problem mit seinen Augen. Und das waren die Augen eines Goldschmieds, der wusste, wie man Metall bearbeitet. Die Idee zu wiederverwendbaren Metall-Lettern war geboren. Diese Idee wurde ab 1450 umgesetzt und revolutionierte die Wissensverbreitung. Die große Herausforderung für Gutenberg war es, das nötige Kapital beizubringen. Innovationen entstehen, wo Probleme, Wissen, und Kapital zusammen kommen. Ist das wichtig?

Alte Welt und neue Technologien

Ja! Statt immer neue Buzzwords in die Welt zu tragen, sollten wir ab und zu mit etwas Gelassenheit einen Schritt zurück treten und uns fragen: welche Probleme lösen wir eigentlich, mit dem was hier erfunden wird. Und: welches Wissen brauchen wir dazu? Unsere Märkte werden nicht funktionieren, wenn alle nur noch Apps und Daten-Netzwerke entwickeln. Der spannende Teil bei der laufenden Veränderung ist doch zu erkennen, welches Wissen aus der vermeintlich alten Welt wir mit neuen Technologien verknüpfen müssen, um neues Wissen zu schaffen. Dieses gilt es dann anzuwenden. Wir werden in vielen Bereichen das bisherige Wissen noch vertiefen müssen, noch besser verstehen müssen, wie die Wirkzusammenhänge funktionieren. Nur so lassen sich die Möglichkeiten, welche die neuen Technologien bieten, wirklich sinnvoll nutzen.

Mehr als gute Chancen

Diejenigen, die starke Werte zur Orientierung haben und bisher schon viel wissen, weil sie Sachverhalte und Technologien durchdrungen haben und nach Perfektion strebten, haben daher mehr als gute Chancen, den Wettbewerb um neues Wissen zu gewinnen. Voraussetzung ist dennoch die Bereitschaft neue Wege zu suchen, zu experimentieren und Risiken einzugehen.

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news-51 Sun, 03 Feb 2019 18:39:52 +0100 Suchen Sie perfekte Harmonie oder Erfolg? de/blog/detail/suchen-sie-perfekte-harmonie-oder-erfolg/ Ein Plädoyer für eine respektvolle Streitkultur auf dem Weg zu unternehmerischen Spitzenleistungen Wenn wir Wirtschaftsmagazine oder Online Portale nach Lesenswertem durchkämmen, finden wir derzeit neben Artikeln, die die nächste Rezession herbeibeschwören, viele Veröffentlichungen darüber, wie die Digitalisierung unsere Welt auf den Kopf stellen wird und was wir tun müssen: um die Herausforderungen zu meistern benötigen wir „Chief Digital Officers“, „agile Teams“, „new work“ und „digital leadership“. Richtig? Natürlich haben alle recht. Irgenwie. Vielleicht. Ja klar, wir haben unser Kaufverhalten dramatisch verändert, seit es amazon gibt. Ja, wir suchen uns heute Restaurants online vor Ort und trauen der Bewertung des „Schwarms“. Ja, unser Medien-Konsumverhalten ändert sich dramatisch in Zeiten von Netflix und Co. Alles richtig. Aber mal ganz ehrlich: mir gehen die Buzzwords so langsam ganz gehörig auf die ... Teetassen.

Manchmal auch provozieren

Es wird für die bereits laufenden Veränderungen keine Patent-Rezepte für unsere Unternehmen geben. Denn: jedes Wertschaffensmodell ist irgendwie anders. Von einem Faktum bin ich jedoch überzeugt: es gibt nicht die-eine-Person, die weiß, wie es am besten geht. Das Wissen, das wir benötigen werden, entsteht nämlich erst. Und zwar dadurch, dass wir bestehendes Wissen neu verknüpfen, Perspektiven wechseln und experimentieren. Damit sind wir beim Kern der Sache: wir müssen neues Wissen generieren, und dazu müssen Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungen und Erfahrungen ihr Experten-Wissen zusammen hinterfragen, kneten, neu verbinden, und um den neuen Weg eines Unternehmens ringen. Möglicherweise geht es ja nicht um einen, sondern mehrere Wege. Eine respektvolle Streitkultur ist dazu unabdingbar, da in einem Unternehmen unterschiedliche persönliche und fachliche Interessen, aber auch unterschiedliches Erfahrungswissen zusammen kommen. Der Einkäufer sieht die Welt anders als der Produktionsleiter. Der Controller sieht die Welt anders als der Service-Monteur. Es wird nicht den-Einen geben, der weiß, wie es geht. Umso wichtiger wird es, unterschiedliche Argumente zu hören, Thesen aufzustellen und gemeinsam zu hinterfragen und mit Experimenten zu testen. Manchmal auch zu provozieren, um auf den Kern zu kommen. Erfahrungswissen und Bauchgefühl mit in die Waagschale der Entscheidungsfindung zu bringen.

Wir benötigen den Funkenschlag

Es werden und müssen unterschiedliche Meinungen dabei zu Tage treten. Ich bin davon überzeugt, dass die Art und Weise, wie im Unternehmen mit diesen unterschiedlichen Sichten der Dinge umgegangen wird, wie diskutiert, provoziert und wie Entscheidungen herbeigeführt werden, ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der bereits laufenden Transformation werden wird. Wer Harmonie sucht, wird scheitern. Eine respektvolle Streitkultur ist die Voraussetzung dafür, unsere neuen Wertangebote aus dem Wald der Möglichkeiten herauszuschälen. Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass wir uns allein durch Einrichten von Sitzecken mit Klangschalen oder der Transformation von unserer Chefs zu „Coaches“ zum Erfolg kuscheln werden. Funkenschlag entsteht durch Reibung. Und den Funkenschlag werden wir definitiv benötigten in unseren Unternehmen.

Bleiben Sie neugierig!

Trauen Sie sich, sich auf nötige –aber nicht endlose- Diskussionen einzulassen und treffen Sie dann gute Entscheidungen. Gerade den älteren Semestern empfehle ich, sich an den nötigen Diskussionen zu beteiligen und sich nicht zurückziehen. Sagen Sie erlich Dinge, die vielleicht nicht gerade „main stream“ oder en vogue sind. Fragen Sie, wenn Sie etwas nicht verstehen. Bleiben Sie neugierig! Prüfen Sie kritisch Ihr „altes Wissen“, aber auch die Wirksamkeit der neuen Methoden. Nicht alles, auf dem heutzutage „agil“ steht, hilft auch wirklich immer und überall weiter.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg! Der Weg zu Spitzenleistungen in Unternehmen ist nicht möglich ohne eine respektvolle Streitkultur. Wir brauchen Funkenschlag. Mit oder ohne Digitalisierung.

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news-49 Tue, 01 Jan 2019 22:20:42 +0100 Was ist Wahrheit? de/blog/detail/was-ist-wahrheit/ Wie künstliche Intelligenz und ein Country-Sänger mich an eine meiner wertvollsten Lektionen erinnert hat, die ich über Entscheidungen gelernt habe. Wie haben Sie dieses Mal die Weihnachtstage verbracht? Waren Sie am Strand? Oder beim Schifahren? Ich verbrachte dieses Jahr die Weihnachtstage ganz entspannt zu Hause. Mit Familie. Mit lieben Freunden. Und ein wenig … Fernsehschauen.

Eine weitere Stunde investiert

Auch hier ist die Digitalisierung längst angekommen. Als ich neulich Abend eine Dokumentation auf Netflix anschaute, kam am Ende der Sendung gleich eine Empfehlung für eine weitere Sendung. Ein Algorithmus berechnete auf der Basis meiner bisherigen Nutzergewohnheiten, welche weiteren Produktionen mir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch gefallen könnten und schlug sie vor. Eine einfache Form von „künstlicher Intelligenz“ gab mir also eine Empfehlung. Bei mir hat das mit der Empfehlung funktioniert und ich habe eine weitere Stunde für eine Sendung investiert, die ich ansonsten möglicherweise nie gefunden und schon gar nicht gesucht hätte.

Country Sänger und Entscheidung?

Der Inhalt der Sendung erinnerte mich an einen wertvollen Leitsatz, den ein Freund und Mentor vor Jahren mit mir geteilt hat und der mir in meiner Karriere immer wieder geholfen hat, in stürmischen Zeiten meinen eigenen Kurs zu finden und zu halten. Ich werde ihn gleich mit Ihnen teilen. Die Sendung war eine Dokumentation über das Leben des Country-Sängers Johnny Cash und unter anderem über seinen Auftritt im Weißen Haus im April 1970. Was hat nun ein Country-Sänger mit „Entscheidungen“ zu tun?

Wo ziehen wir unsere persönliche Grenze?

In einer Zeit von politischen Spannungen, in der viele junge Menschen auf die Straße gingen um gegen den Krieg in Vietnam zu demonstrieren und in der diese jungen Menschen von der politischen Führung der USA für ihr rebellisches Auftreten verurteilt wurden, war eben dieser Johnny Cash für einen Auftritt ins „White House“ eingeladen. Sehr zum Erstaunen der anwesenden politischen Elite sang er ein neues Lied, und zwar über den Umgang mit Wahrheit. Der Titel? „What is Truth?“ Was ist Wahrheit? Ich hatte das Lied noch nie vorher gehört. Der Text hat mich berührt. Wie gehen wir mit dieser Frage um: Was ist Wahrheit? Wie gehen wir in unseren Unternehmen damit um? Müssen wir alles mit jedem teilen, um modern und transparent zu sein? Welche Daten halten wir zurück, um bewusst einseitig Stimmung zu machen, oder vielleicht um unnötige Unruhe zu vermeiden? Wie intensiv suchen wir nach Fakten, um uns ein möglichst vollständiges, objektives Bild zu machen? Welche Informationen schönen wir, um damit Entscheidungen anderer zu unseren Gunsten zu beeinflussen? Wo ziehen wir dabei unsere persönliche Grenze zwischen richtig oder falsch?

Wie würdest Du Dich fühlen?

Ein guter Freund und Mentor hat vor Jahren ein Stückchen seiner Weisheit mit mir geteilt, das mir noch heute immer wieder hilft, Entscheidungen zu treffen. Er fragte mich ganz einfach: „Wie würdest Du Dich fühlen, wenn die Wahrheit über das, was Du tust, in der Zeitung stehen würde? Dort wo es Deine Familie, Deine Eltern und Deine Kinder in der Zeitung lesen?“ Dieser vermeintlich einfache Gedanke hat mir über Jahre immer wieder geholfen, Orientierung zu finden und Entscheidungen zu treffen: Wie würdest Du Dich fühlen, wenn die Wahrheit über das, was Du tust, in der Zeitung stehen würde? Dort wo es Deine Familie, Deine Eltern und Deine Kinder in der Zeitung lesen?

Vielleicht hilft dieser Gedanke ja auch Ihnen ein wenig, wenn Sie das nächste Mal in stürmischen Zeiten eine etwas kniffelige Entscheidung treffen müssen. Auf ein gutes Neues Jahr!

Und falls Sie der Original-Song „WHAT IS TRUTH“ interessiert, hier ein youtube-link zum reinhören: www.youtube.com/watch

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news-19 Sat, 19 Aug 2017 15:55:59 +0200 Organisationen brauchen auch pfiffige Faule de/blog/detail/organisationen-brauchen-auch-pfiffige-faule/ Passen unsere klassische Beuteschemata für die Entscheidung "wer wird Chef"? Brauchen Unternehmen wirklich nur nur gut strukturierte, fleißige Manager und Mitarbeiter, deren einzige Doktrin ist, dass Erfolg nur im Alphabet vor Fleiß steht? Diesen Sommer hat unser Sohn sein Abitur bestanden. Als Vater hat mich das natürlich sehr gefreut und stolz gemacht. Und unweigerlich hat mich dieses Ereignis an meine eigene Abiturprüfungen und meine damaligen Mitschüler erinnert. Und einer davon ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Nennen wir ihn Horst.

Ein Gipsarm hilft zum Abitur

Horst bestach nicht durch Fleiß. Auch nicht durch übermäßigen Intellekt. Er bestach durch ... Sympathie und Schlitzohrigkeit. In der elften Klasse stand die letzte Lateinklausur an. Er brauchte mindestens eine fünf um zur Kollegstufe vorgelassen zu werden. Dabei wusste er, dass seine Chancen dafür gegen Null strebten. Was tun? Büffeln, Tag und Nacht? Er entschied sich für eine andere Strategie. Er überzeugte seinen Hausarzt, dass er doch so starke Schmerzen an seiner rechten Schreibhand habe, sich irgendwas dort verstaucht oder gebrochen habe, so dass der Arzt dem Horst den rechten Arm in Gips legte. Der Rest ist Geschichte. Horst konnte und musste die letzte Lateinklausur seines Lebens nicht mitschreiben, er rückte in die Kollegstufe vor, machte sein Abitur. Danach verloren wir uns aus den Augen.

Mut, Dinge nicht zu tun

Beim letzten Klassentreffen durfte ich Horst wieder treffen. Er hatte Lehramt studiert und danach seinen Kurs gewechselt: er ist Unternehmer, führt seinen Spargelgroßhandel, betreibt eigene Himbeerplantagen, und.. und... und. Er erzählte mit Genuss – ohne dabei anzugeben - , wie er monatelang im Winter die Beine hochlegt oder mit seinen Kindern im eigenen Keller-Bolzplatz Fußball spielt und sich um Dinge kümmert, die ihm wertvoll und wichtig sind. Er wägt ab, welches Risiko er eingeht, wenn er bestimmte Dinge nicht tut. Und trifft dann eine Entscheidung. Er hat immer wieder den Mut, Dinge nicht zu tun, die ihm nicht wertvoll oder wichtig erscheinen. Er hat keine Yacht, wirkte dennoch auf mich sehr ausgeglichen und zufrieden. Warum schreibe ich diese Geschichte?

Stimmt die Schriftgröße?

Ich wünsche mir für unsere Unternehmen mehr von diesen „ich weiß worauf es ankommt“-Typen. Auch als Chefs. Typen, die den Mut haben, Dinge, welche zwar vielleicht interessant, aber nicht wirklich wichtig oder wertschaffend sind, zu streichen. Wegzulassen. Kalkulierte Risiken eingehen. Nicht perfekt zu sein, wo Perfektion nicht gefordert ist. Wie viel besser wird die anstehende Entscheidung denn wirklich, wenn diese oder jene zusätzliche und aufwändige Analyse noch gemacht wird? Wie groß ist das mögliche Risiko wirklich, wenn ich mit meiner Erfahrung eine Bauchentscheidung treffe, ohne alle verfügbaren Marktstudien einzukaufen und durchzuackern? Spielt es wirklich eine Rolle, ob bei der Wachstums-Prognose für das Jahr 2025 die Zahlen auf Seite drei einer Präsentation auf die Nachkommastellen genau konsistent sind mit denen auf der Seite 36? Oder noch schlimmer: stimmt die Schriftgröße überein?

Wird das Unternehmen dadurch wertvoller?

Unternehmen, die Ergebnisprobleme haben, machen häufig den gleichen Fehler: sie tun zu viele Dinge, für die sie ihre Kunden nicht bezahlen. Vielleicht sind das zwar Dinge, die der Chef will. Vielleicht sind das Auswertungen, die schon in voreilendem Gehorsam gemacht werden, weil ja jemand im Management danach fragen könnte und ich dadurch meine Karriere-Chancen für die nächste Beförderung verbessere. Vielleicht auch nur die Art wie wir Leistung bewerten und Betriebsamkeit und Überstunden mehr auffallen als Effizienz. Gründe gibt es viele für wertlose Aktivitäten. Wertvoller wird ein Unternehmen dadurch nicht.

Organisationen brauchen pfiffige „Faule“

Ich wünsche unseren Organisationen mehr Chefs und Mitarbeiter, die ab und zu faul sind und dabei die Pfiffigkeit haben, die Dinge zum Abschluss zu bringen, die wirklich wichtig und wertschaffend sind. Vielleicht sollten wir ja ab und zu, gerade wenn die tägliche Betriebsamkeit überhand nimmt, die Beine ein wenig hochlegen und genau darüber nachdenken: was von dem, was uns den Tag füllt, ist nur beschäftigungs-therapeutisch wertvoll, und was dagegen macht ein Unternehmen wirklich wertvoller? Um dann - mit kalkuliertem Risiko - bestimmte Dinge einfach nicht zu tun, oder ganz anders zu tun.

Sich trauen, einfache Wege zu suchen

Liebe Beförderungsentscheider: trauen Sie sich doch auch mal ab und zu über das klassische Beuteschema für Führungskräfte hinweg zu springen. Unternehmen brauchen nicht nur gut strukturierte, fleißige Manager und Mitarbeiter, deren einzige Doktrin ist, dass Erfolg nur im Alphabet vor Fleiß steht. Organisationen brauchen auch pfiffige „Faule“, die querdenken, die sich trauen, den Status-Quo zu hinterfragen und einfachere Wege zu suchen. Typen wie Horst eben.

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