30.09.2017
Auch Strategien brauchen Fahrwerke!

Wir fragen uns in unseren Unternehmen immer wieder, warum so viele Veränderungen fehlschlagen oder verpuffen. Der Gründe dafür gibt es sicherlich viele. Ein Grund, der mir in meiner eigenen Erfahrung immer wieder begegnete, ist, dass Strategien nicht auf den Boden der Realität aufsetzen und somit für viele Mitarbeiter immer irgendwie etwas virtuelles, etwas amorphes bleiben. Im Unternehmensalltag entwickeln Sie nicht wirklich Wirkung. Strategien sollen aus meiner Sicht Wirkung entfalten. Und zwar insbesondere in zwei Richtungen.

Da will ich hin!

Zum einen sollen Strategien ein Bild der Zukunft zeichnen, das Attraktivität und Anziehungskraft ausstrahlt. Mitarbeiter wie Führungskräfte sollen sagen können: „ja, da will ich hin!“. Die Herausforderung ist, Strategien so zu formulieren und zu kommunizieren, dass Bilder im Kopf entstehen können. Hier liegt eine besondere Schwierigkeit, insbesondere für große und vielschichtig aufgestellte Unternehmen. Man sucht verzweifelt den einen Visions-Satz, der die ganze komplexe Welt beschreiben soll. Gerne endet man konsequenter weise bei generischen Aussagen wie: „wir wollen der größte Hersteller von Blabla  werden“, oder „wir wollen in den nächsten 5 Jahren unseren Umsatz verdoppeln“. Sind das Sätze, bei denen Bilder im Kopf von Menschen entstehen?

Ist der Zielzustand vorstellbar?

Wenn ein Unternehmen für sich sagt: „wir wollen mit qualitativ hochwertigen Schließsystemen dafür sorgen, dass in 5 Jahren jedes dritte Einfamilienhaus in Deutschland so sicher ist, dass die Familien darin ruhig schlafen können.“, dann hört sich das vielleicht etwas weniger elegant an als „wir retten die Welt“ oder „wir verdoppeln den Umsatz“. Die Wirkung in den Köpfen ist aber eine andere: Bilder entstehen. In jedem Kopf ein eigenes. Ebenso wie eine individuelle Bewertung „ja, das macht Sinn“, und möglicherweise eine Entscheidung „ja, da will ich mit“. Eine Strategie sollte daher einen konkreten Zielzustand beschreiben, der ein stückweit vorstellbar ist für den Einzelnen aus seiner derzeitigen persönlichen Sicht der Welt.

Und was heißt das jetzt für mich?

Zum anderen muss eine Strategie eine Hilfestellung und Orientierung bieten für Entscheidungen im Unternehmensalltag. Und zwar auf allen Organisations-Ebenen. Ein Unternehmen erfolgreich zu führen heißt, sich ständig in Spannungsfeldern zu bewegen. Ständig muss abgewogen werden: Kürzere Lieferzeiten gegen höhere Lagerbestände. Niedrigere Einkaufspreise gegen höhere Qualität. Niedrig qualifizierte Mitarbeiter oder Facharbeiter. Innovativ oder billig? Meist geht es nicht um ein absolutistisches „entweder – oder“, sondern darum, die richtige Dosis von verschiedenen Zutaten zu finden. Ein wahrer Drahtseilakt für alle Beteiligten, und das täglich. Eine Strategie muss hier allen Mitarbeitern Orientierung für die täglichen Entscheidungen an ihrem Arbeitsplatz geben. Strategien müssen also so konkret und möglicherweise auch so differenziert formuliert werden, dass letztendlich in der täglichen Geschäftigkeit klar ist: „Und was heißt das jetzt für mich?“ Leider ist das meist nicht so ganz einfach.

Wirksame Strategien brauchen ein Fahrwerk

Wenn Strategien Wirkung entfalten sollen, wenn sie Bewegung erzeugen sollen, müssen sie dort ankommen, wo die Mitarbeiter sind. Sie müssen ein attraktives Bild der Zukunft in deren Köpfen erzeugen und im täglichen Arbeiten Orientierung und Entscheidungshilfe sein. Hoch fliegen mit strategischem Weitblick alleine reicht nicht. Die Köpfe über den Wolken zu haben reicht für wirksame Strategiearbeit nicht aus. Wirksame Strategien brauchen ein Fahrwerk, mit dem Sie auf dem Boden der Realität der Mitarbeiter aufsetzen können.

Mein Tipp

Fragen Sie doch ab und zu Ihre Mitarbeiter unter vier Augen, ob und wie ihnen die Strategie bei der täglichen Arbeit hilft. Fragen Sie, ob sie sich vorstellen können, wie die Zukunft der Firma aussieht. Wenn Sie dann fragende Blicke oder Schulterzucken wahrnehmen ... dann hat das Fahrwerk Ihrer Strategie vermutlich noch nicht den Boden erreicht. Und Sie fragen dann am Besten: "Was fehlt denn - aus Ihrer Sicht?"


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