10.12.2017
Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen ...

Zugegeben, ich war nicht wenig überrascht über die Presseberichte der letzten Wochen über ZF. Da konnte man über Machtkampf, Rücktritt und unterschiedliche Auffassungen über die Unternehmensstrategie lesen. Sehr ungewöhnlich für ein eigentlich „leises“ Unternehmen wie die ZF Friedrichshafen AG.

Veränderung rüttelt an der eigenen Identität

Als ich letztes Jahr Herrn Dr. Sommer zum Interview für mein Buch „Drahtseilakt Unternehmenswandel – So wird Change Management im Unternehmen überfüssig“ in der ZF Konzernzentrale in Friedrichshafen persönlich treffen durfte, war ich im Gespräch beindruckt von der Klarheit der Strategie dieses Unternehmens. Ich war beindruckt vom Einsatz und der Leidenschaft von Herrn Dr. Sommer, seine Mitarbeiter für diese Strategie zu begeistern. Ihm war es damals klar, wie schwierig es ist, eine breite Unterstützung zu gewinnen für einen Unternehmenswandel von einem „Heavy Metal“ Produkt-Lieferanten, nämlich Getriebe und Zahnräder, hin zu einem Systemlieferanten für die Elektromobilität. Ein solcher Wandel rüttelt auch an der Identität eines Unternehmens. Keine leichte Sache. Ein Drahtseilakt.

...dann hat ein Unternehmen eine Seele

Ich möchte daher ein Zitat von Herrn Dr. Stefan Sommer aus dem Interview mit Ihnen teilen, das mir angesichts der Situation passend erscheint:
„Die Seele eines Unternehmens – das ist die positive Energie von Menschen, die täglich zusammenkommen und nach vorne schreiten wollen. Wenn ein Unternehmen seelenlos und kalt wird, dann würden die Menschen morgens zwar zur Arbeit kommen, aber nicht mehr den Anspruch haben, das Unternehmen weiterzubringen. Sie würden vielmehr nur noch daran denken, wann sie wieder gehen können und vielleicht noch am Letzten des Monats auf ihr Konto schauen, ob denn ihr Gehalt auch pünktlich überwiesen wurde. Das wäre für mich ein Unternehmen, das seine Seele verloren hat. Wenn der Anspruch an die Gemeinschaft da ist, besser zu werden und – egal, wo ich im Unternehmen bin – zusammen bestimmte Dinge zu erreichen, dann hat ein Unternehmen eine Seele – und auch Temperatur.“

Warum so viele Unternehmen überleben

ZF hat eine starke Seele, eine starke Identität. Ich bin daher zuversichtlich, dass die derzeitige Führungskrise das Unternehmen nicht aus der Bahn werfen wird. Das werden weder Mitarbeiter, noch die Führungsteams auf den unterschiedlichen Ebenen zulassen. Letztendlich funktionieren Unternehmen auf der Basis von Netzwerken, und viele dieser Netzwerke zwischen den Menschen im Unternehmen sind nach wie vor intakt. Netzwerke in gesunden Unternehmen haben starke Selbstheilungskräfte. Daher überleben so viele Unternehmen.

...man weiß nie was man kriegt

Die Automobilindustrie steht vor dramatischen Herausforderungen, auch die Zuliefer-Industrie. Es geht darum, einen Wandel hin zur Elektromobilität zu gestalten, von dem keiner weiß, mit welcher Geschwindigkeit er von statten gehen wird. Es gilt, ständig Chancen und Risiken abzuwägen auf einem Weg, für den es kein Management-Kochbuch gibt. Umso wichtiger ist es, dass alle wichtigen Stake-Holder entsprechend Ihrer Verantwortung an einem Strang ziehen: Mitarbeiter, Führungskräfte, Aufsichtsgremien und Kapitalgeber. Unternehmenswandel kann nur gelingen, wenn alle mitmachen. Und selbst dann passieren immer noch genügend Dinge, die eben nicht planbar sind. Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt. In diesem Sinne: alles Gute für Sie, liebe ZF-ler, und auch alles Gute für Sie, Herr Dr. Sommer. Und Ihnen allen, liebe Leser meines Blogs, wünsche ich frohe Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2018.


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