14.10.2017
No Guts - No Glory

Die eine vermeintliche Kleinigkeit, die Chefs nicht übersehen sollten, wenn sie mit ihren Teams Großes erreichen wollen.

Öffentliche Demontage

Unlängst führte ein Manager eine Gruppe von Managerkollegen, Mitarbeitern und Gästen durch eines „seiner“ Produktionswerke. An verschiedenen Stellen wurde von den jeweiligen Mitarbeitern oder Teamleitern erklärt, was dort gerade gefertigt oder eben gemacht wurde. Als an einer Station einer der vorstellenden Mitarbeiter eine kleine Inkonsistenz in den präsentierten Zahlen (die dort an einer Metaplantafel angepinnt waren) hatte, demontierte und zerpflückte der Manager seinen Mitarbeiter nach allen Regeln der Kunst im Beisein der Gruppe. 

Ich bin hier der Chef

Die Situation ist peinlich, ja unerträglich für den Mitarbeiter, der anfangs mit Freude, Begeisterung und nach bestem Wissen und Gewissen seine Aufgabe und seinen Arbeitsplatz präsentiert. Ich selbst als Teil der Gruppe fühle mich äußerst unwohl, dieses öffentliche und respektlose „an den Pranger stellen“ für Kleinigkeiten mitzuerleben. Einer der Manager-Kollegen in der Gruppe schreitet schließlich ein und versucht mit Fingerspitzengefühl die Situation zu entschärfen. Da herrscht ihn der Aufgebrachte an: „Stopp. Ich bin hier der Chef!“

Nicht mit mir

Wie entwickelte sich die Situation weiter? Was glauben Sie? Wie reagierte der Manager-Kollege, der derart rüde angeherrscht wurde? Entwickelte sich ein Streit, vor allen Leuten? Gab der Manager-Kollege klein bei? Nichts von beidem. Der Manager-Kollege sprach kein Wort. Er platzierte einen Blick der sagte: „So nicht! Dieses Führungsverhalten ist respektlos und für mich inakzeptabel.“ Er drehte dem respektlosen Chef den Rücken zu und verließ vor den Augen aller schweigend die Gruppe. Eine klare Ansage: So nicht. Nicht mit mir.

Ein Chef mit „Arsch“ in der Hose

Menschen reden miteinander. Auch in Unternehmen. Was glauben Sie, wie über diesen Vorfall gesprochen wird? Eine Person, die sich schützend vor Mitarbeiter eines anderen Chefs stellt, wenn sie von diesem öffentlich und respektlos gedemütigt werden? Wer würde sich nicht eine solche Person als Chef wünschen? Einen Chef, der den „Arsch“ in der Hose hat, um es etwas salopp zu formulieren, der die „guts“ hat, sich vor jemanden, der ganz unten in der Hackordnung steht, zu stellen und ihn zu schützen, wenn dieser respektlos behandelt wird?

Über Fehler spricht man – unter vier Augen

Auf dem Weg nach oben auf der Karriereleiter sollten wir immer wieder mal darüber nachdenken, ob wir in unserem täglichen Agieren und Kommunizieren einer vermeintlich unscheinbaren, aber essentiellen Grundfunktion von Führung nachkommen: Mitarbeiter zu schützen. Selbst wenn sie Fehler machen. Ich meine damit nicht, dass man über individuelle Fehler grundsätzlich immer und überall großzügig hinweg gehen sollte. Über Fehler spricht man - unter vier Augen. Respektvoll.

No Guts - no Glory

Chancen, seine eigenen Mitarbeiter zu schützen gibt es viele und tagtäglich. Das kann die schlechte Botschaft sein, die man als Chef einem Kunden selbst übermittelt, und nicht den Mitarbeiter vorschickt. Das kann der Satz „die Verantwortung hierfür übernehme ich“ in der Managementsitzung sein, statt den Mitarbeiter der Kritik von Managerkollegen preiszugeben. Zugegeben, diese vermeintliche Kleinigkeit ist häufig nicht leicht und erfordert Courage. Allerdings werden Chefs, die diese Courage im Alltag zeigen, selbst erleben, wie auch die eigenen Mitarbeiter Risiken für ihren Chef eingehen, wenn es drauf an kommt. Sie werden sich dann in Zeiten von Unsicherheiten nicht weg ducken, sondern beherzt mithelfen, Veränderungsvorhaben und letztendlich auch große Erfolge zu meistern. No Guts. No Glory.


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